Nachdem Panasonic die Kameras der GF-Serie vor allen Dingen in Bezug auf die Bedienung immer weiter geschrumpft hatte, freuen wir uns jetzt mit der Lumix GX1 einen würdigen Nachfolger zur ersten Lumix GF1 bekommen zu haben.

Wir vermuten, dass Panasonic seinerzeit die GF-Serie durch den plötzlichen Erfolg der Sony NEX-3 und NEX-5 in eine andere Richtung weiterentwickelte, als es ursprünglich geplant war. Man brauchte dringend ein Einstiegsmodell, welches möglichst einfach zu bedienen war und die Aufsteiger aus dem Kompaktkameralager nicht zu sehr mit einer überfrachteten Bedienung belästigen sollte. Natürlich gab das einen Aufschrei in den Reihen der ambitionierten (Hobby-)Fotografen, die in der GF-Serie zunächst erst einmal keine Fortschritte mehr sahen und auf einen würdigen Nachfolger für die Lumix GF1 lange warten mussten. Dieser würdige Nachfolger ist nun mit der Lumix GX1 verfügbar.

Schön ist auch, dass Panasonic endlich(!) einen technisch adäquaten Aufstecksucher bietet, der sich deutlich augenschonend vom pixeligen Vorgänger der GF-Serie unterscheidet. Zusammen mit dem Pancake-Powerzoom hat man eine Manteltaschen-taugliche Kamera mit einer extrem guten Bildqualität, die dann eigentlich keinen Wunsch mehr offen lässt, oder?

Doch, wir haben auch für die Zukunft noch Wünsche, und wir wiederholen sie gerne noch einmal, damit die beiden großen Hersteller im Micro-FourThirds-Bereich hinterher nicht behaupten können, sie hätten von nichts gewußt:

Wir hätten gerne eine Kamera mit einem eingebauten Sucher! Der darf durchaus ein wenig mehr bieten (Auflösung OLED etc.) als die bisherigen Modelle.

Und in Richtung Panasonic können wir nur wiederholt sagen: Wenn wir von einer Kamera mit eingebautem Sucher reden, dann meinen wir nicht so etwas wie die G- oder die GH-Serie. Also bitte keine Kamera, die aussieht wie eine kleine Spiegelreflex-Kamera (DSLR-Style). Dieses Design ist tot. Mausetot.

Lieber so etwas wie die Lumix GX1 mit eingebauten Sucher. Dafür können die Hersteller auch gerne auf den eingebauten Blitz verzichten, der so oder so nur eine begrenzte Leistung hat, solange oben auf der Kamera noch ein Blitzschuh zur Verfügung steht. Der gesparte Platz für den Blitzkondensator und den Ausklappblitz sollte es dann doch ermöglichen einen elektronischen Sucher einzubauen. Der könnte ja sogar über ein Prisma umgelenkt werden.

Möglich wäre das schon und ich kenne eine ganze Reihe von Käufern aus dem Micro FourThirds-System, die im Augenblick schon auf eine Sony NEX-7 schielen, weil sie genau dieses Konzept gerne als Kamera hätten. Hätte Panasonic und Olympus nicht  ein so reichhaltig erstklassiges Objektiv-Programm, waren sicherlich schon einige Kunden aus dem Micro-FourThirds-Lager in Richtung umgestiegen.

Und noch eins: Steve Jobs hatte seinerzeit ein iPad-Prototyp ins Aquarium geworfen um den Entwicklern, die behaupteten, man könne das Gerät nicht kleiner bauen, durch die aufsteigenden Luftblasen zu zeigen, dass da noch Platz im Gerät ist. Und es wurde anschließend viel kleiner und viel dünner. Wenn also irgendein Entwickler sagt, da passe kein Sucher mehr rein, dann steht hoffentlich ein Aquarium in der Nähe. Geht nicht, gibt´s nicht.

Aber davon ab: Natürlich freuen wir uns jetzt erstmal über die neue Lumix GX1. Leider muss der interessierte Käufer noch bis Januar 2012 warten. Leider.

Jens Michael Schuh

In diesen Tagen überschlagen sich mal wieder die Ereignisse…

Wasser, Wasser, Wasser und Schlamm

Nachdem gestern schon Europafoto seine Händler darüber informierte, dass es Probleme bei Nikon gäbe, weil das Produktionswerk für alle kleineren DSLRs nördlich von Bangkok überflutet wurde, sickern jetzt erste Gerüchte durch, dass auch das Sony-Werk in Thailand wohl in den nächsten Wochen ausfallen wird. Nach unseren Informationen werden in Thailand die Alpha A65, die Alpha A77 und die von uns schon sehnlichst erwartete Sony NEX 7 produziert. Nikon denkt angeblich sogar darüber nach, das Werk nicht wieder aufzubauen, sondern gleich ganz nach China zu verlagern.

Eine Informations-Quelle teilte uns mit, dass die Zustände z.B. bei Nikon so schlimm sind, dass es nicht mehr darum gehe, irgendwelche Produktionsmaschinen wieder trocken zu legen, sondern eher darum, sie erstmal aus dem Schlamm wieder auszugraben. Und das Sony-Werk ist nicht weit vom Nikon-Werk entfernt. Quasi nebenan.

Katastrophenjahr 2011

Die japanische Fotoindustrie wird im Rückblick wohl kaum etwas Positives über das Jahr 2011 schreiben können. Wir übrigens auch nicht. Keine neuen Produkte – keine Werbepartner.

Erst das große Erdbeben und die Fukushima-Katastrophe und nun die Überschwemmungen in Thailand. Wobei man natürlich auch ehrlicherweise sagen muss, dass es seit Ewigkeiten in dieser Region zu Überschwemmungen kommt und man mit ein wenig Voraussicht das Werk auch an einer sicheren (höheren) Stelle hätte bauen können.

Es ist ja keineswegs so, wie die Tage ein vermeintlicher Experte im Radio laut verkündete, dass die aktuellen Überschwemmungen der heranziehenden Klimaerwärmung zu verdanken wären. Schließlich haben schon die Erbauer des weltberühmten Angkor Wat vor mehr als 1000 Jahren gigantische Flut- und Wasserbecken angelegt, um mit der ungleichmäßigen Niederschlagsverteilung im Jahresverlauf in dieser Gegend fertig zu werden.

Naja, mehr als 1000 Jahre später bauen die Menschen dann Fabriken mit hochempfindlichen Präzisionsgeräten in dieser Überflutungs-Ebene. Sehr ärgerlich. Vor allem für diejenigen, die schon seit Wochen auf die Sony NEX 7 warten.

Wir sagen: Augen auf beim Fabrikkauf!

Olympus ohne CEO

Großartig kommentieren können wir die aktuelle Situation bei Olympus eigentlich nicht, dazu wissen wir darüber zu wenig. Was wissen wir?

Olympus hat seinen CEO, Michael Woodford, rausgeschmissen. Eigentlich sollte der Mann das Unternehmen sanieren.

Dieser berichtet über haarsträubende Vorgänge im Vorstand von Olympus und höchst merkwürdige finanzielle Transaktionen, über die auch schon die japanische Presse berichtete. Aufgrund dieser Ereignisse sollte PriceWaterhouseCooper die Vorfälle untersuchen und die von Michael Woodfoord präsentierten Unterlagen “bescheinigen” ziemlich erstaunliche Dinge.

Caymans, Tupperware und Bus zum Flughafen

Neben Zahlungen von hunderten von Millionen US$ an eine mittlerweile nicht mehr existierende Firma auf den Cayman-Islands, wird dort auch von einem nicht verständlichen Kauf eines Tupperware-Herstellers im Wert von 880 Millionen US$ berichtet. Nachdem Herr Woodford, der die Angelegenheit zunächst wohl “intern” und ohne Öffentlichkeit klären wollte, letzte Woche nach Ansprache dieser Vorfälle durch ein Schreiben an den Vorstand faktisch rausgeschmissen wurde und sich “einen Bus zum Flughafen” nehmen sollte, ist er an die Öffentlichkeit gegangen.

Mittlerweile haben sich wohl auch die Behörden eingeschaltet, zumal die Zahlungen auf die Insel von einer britischen Olympus-Tochter getätigt wurden. Alles deutet darauf hin, als hätten die Vorwürfe Substanz und als würde es sich nicht um eine der üblichen Schlammschlachten handeln, wie man sie schon mehrmals zwischen einem ehemaligen CEO und dem Vorstand eines Unternehmens erlebt hat. Da werden bestimmt noch Köpfe rollen, oder was sonst in Japan so üblich ist. ;-)

Wir sagen: Augen auf beim Saniererkauf!

Leica verkauft 44% an Blackstone

Die ersten Beiträge und Kommentare zum Verkauf von 44% der Leica Aktien durch Herrn Dr. Kaufmann an einen Investmentfond, wurden mit den Worten “Heuschrecke” quittiert.

Investmentfond” hört sich auch erstmal gefährlich an. Meistens ist deren Aufgabe ein Unternehmen profitabler zu machen, in vielen Fällen läuft es aber auch auf ein “Ausquetschen der Zitrone” hinaus.

Bei Leica können und wollen wir uns das aber im Augenblick nicht vorstellen. Erstens behält Herr Dr. Kaufmann die Aktienmehrheit und zweitens hat er in den letzten Monaten wahrlich nicht den Eindruck hinterlassen, als betrachte er sein Leica-Investment als reine Finanzangelegenheit. Ganz im Gegenteil. Er hat mit Herz, Gefühl und Geschichtsbewußtsein den Leica-Wagen wieder in die Spur gebracht und zwar extrem spurstabil.

Trotzdem sagen wir….

Augen auf beim Aktienverkauf!

Euer Systemkamera-Forum-Team

Das neue Nikon-1-System ist da. Über kein neues Kamera-System der letzten Jahre wurde so kontrovers diskutiert wie über das neue Nikon-System. Ich habe mich mal ein wenig durch die unterschiedlichsten Foren gewühlt und mir die Meinungen zu der neuen Nikon J1 und der Nikon V1 durchgelesen. Die Urteile sind in der Masse eher kritisch und negativ. Viele Fotofreunde wissen das neue System nicht einzuordnen. Mir geht es da nicht anders.

Die meisten Argumente gegen das neue System werden an der geringen Sensorgröße festgemacht. Und es wir heftig spekuliert, wer dieses System denn eigentlich kaufen soll. Ich bin mir da auch noch nicht so sicher. Nikon wollte sicherlich nicht das hauseigene Nikon-DSLR-System kannibalisieren, das ist verständlich. Auf der anderen Seite bleibt zu befürchten, dass das dann anderen Hersteller tun.

Wenn man sich die aktuellen Verkaufszahlen in Japan anschaut, dann steht da ein großes Minus im DSLR-Bereich von Canon und Nikon. Man spricht zur Zeit von -35% Marktanteil an Neuverkäufen und betont, dass Entwicklungen im japanischen Fotomarkt über kurz oder lang auch in anderen nationalen Fotomärkten in ähnlicher Form zu sehen sind. Gerade in Bezug auf Technik sind die Japaner immer ein wenig schneller als der Rest der Welt.

Wer sind denn diejenigen, die heutzutage eine Spiegelreflexkamera kaufen? Wenn man von der kleinen Gruppe der echten Profis (Berufsfotografen) einmal absieht, sind es ja in erster Linie doch diejenigen, die sich davon eine bessere Bildqualität versprechen. Ob es dabei um ambitionierte Hobbyfotografen oder einfach nur um eine Käufergruppe geht, der gesagt wurde, dass größere Sensoren “bessere” Bilder liefern, das sei erst einmal dahingestellt. Unter dem Strich geht es irgendwie um Bildqualität und vielleicht um eine komfortable Bedienung.

Aber man ist ja nie zufrieden. Da aber ein Spiegel in einer Kamera letztendlich auch nur noch ein Überbleibsel aus der analogen Fotografie ist und ein optischer Sucher mit Phasen-AF-System über einen Hilfsspiegel (unter dem eigentlichen Hauptspiegel) gerade auch in Bezug auf Justage und Genauigkeit nicht der Weisheit letzter Schluss sind, war natürlich gleich der Wunsch nach einem moderneren System angelegt. Und die Hersteller haben geliefert: Panasonic, Olympus und Sony. Keines dieser Systeme ist jetzt so perfekt, dass es nicht noch reichlich Wünsche an ihre Modellreihen gäbe, aber alles ist ziemlich ausgereift und macht Spaß. DSLR-Qualität in einem kompakteren Format. Für einige spielt aber noch nicht einmal das eine Rolle.

Nun ja. Die Entwicklung ging weiter, und die spiegellosen Systemkameras wurden immer kleiner. Panasonic hat gerade bei der GF-Serie gezeigt, wie klein eine Kamera mit einigermaßen großem Sensor werden kann – und die neuen Lumix-X-Objektive tragen dazu ihr Bestes bei. Angespornt von dem Erfolg von Sony mit dem NEX-System wird alles kleiner. OK. Ich bin bereit anzuerkennen, dass es einen Markt gibt, der, vor allem in Asien, sehr großen Wert darauf legt, dass eine Kamera mit Optik möglichst klein ist.

Das stößt in letztendlicher Konsequenz nicht immer auf uneingeschränkte Zustimmung weltweit in den Fotoforen, in denen sich ja, und das muss man ganz ehrlich so sagen, hauptsächlich sehr fotobegeisterte Benutzergruppen beteiligen, die größtenteils schon jahrelang Erfahrung im Umgang mit Kameras haben. Und die sind nicht unbedingt erfreut, wenn auf ein Modusrad verzichtet wird und über ein Touchscreen die Modi einer Kamera eingestellt werden sollen. Veränderungen sind ja erst einmal grundsätzlich schlecht. Ich selbst habe mich dabei erwischt, wie ich über den Verlust des Modusrades jammerte, bis mir auffiel, dass ich ja sowieso nur mit der Zeitautomatik arbeite, weil ich eben gerne die Bildwirkung mit der Blende bestimmen möchte, und meine Modus-Räder deswegen sowieso immer auf “A” stehen.

So. Und jetzt kommt Nikon. Elegante Gehäuse, aber eine anscheinend ebenso spartanische Bedienung an der “Oberfläche” wie mittlerweile bei den Mitbewerbern. Was macht Nikon anders? Eigentlich nicht viel. Moderne Technik, schnelle Prozessoren und ein sehr wertig verarbeitetes Gehäuse, wie mir jemand versicherte, der die Kamera schon mal in der Hand hatte. Und sonst?

Ja, die Kameras können auch schon vor dem Auslösen Fotos machen. Das gab es aber schon mal und hat sich irgendwie nicht durchgesetzt. Neben dem Kontrast AF gibt es auch noch einen Phasen-AF direkt auf dem Sensor. Ok, den gibt es bei Fuji auch schon seit einem Jahr.

Für uns technikverliebte Fotofreunde bleibt erst einmal nur eine Erkenntnis: Der Sensor ist kleiner als bei den Mitbewerbern. Aha. Die Nikon-Kameras sind vielleicht gar nicht für die ambitionierten Fotofreunde gedacht? Sind sie vielleicht für diejenigen Aufsteiger aus dem Kompaktkamera-Segment, die zwar mehr Bildqualität haben wollen, aber nicht gleich mit einer größeren Kamera in der Tasche durch die Gegend laufen wollen. Das wäre möglich. Da bleibt allerdings die Frage, warum die Nikon-Kameras dann nicht wesentlich kleiner sind. Denn wenn ich eine Kamera habe, die genauso groß ist wie eine GF3 (mit Lumix X-Optiken), warum sollte ich mich ernsthaft für das Modell mit dem kleineren Sensor entscheiden? Der Marke wegen? Ich weiß es nicht.

Hier bekommt man übrigens einen Eindruck, wie der Sensor des neuen Nikon 1-Systems im Vergleich zu diversen Mitbewerber-Produkten abschneidet: Hier klicken. Das ist jetzt zunächst einmal nicht so sonderlich beeindruckend, und zwar unabhängig davon, ob die Firmware der getesteten Kamera final ist oder nicht. Rauschen bekommt man selbst mit guten Algorithmen nur unter Auflösungsverlust in den Griff. Ich glaube, ich gehöre einfach nicht zur Zielgruppe für dieses neue Kamera-System. Aber eine echte Zielgruppe finde ich auch nicht, selbst dann nicht, wenn ich den Eindruck zugebe, dass die neue Nikon nichts für mich ist.

Irgendwo bei den vielen Diskussionen zum Nikon 1-System las ich, dass Nikon das neue System wahrscheinlich für die “Generation Facebook” positioniert. Ein knackiges Lifestyle-Produkt. Mehr Bildqualität als ein Handy oder eine kleine Kompaktkamera, trotzdem noch vergleichsweise klein. Prima dachte ich, denn genau mit dieser Generation verbringe ich meinen Arbeitstag. Nichts einfacher also, als einmal nachzufragen. Die Antworten sind aber ohne Ausnahme ernüchternd: Zu groß und zu teuer. Vor allem zu teuer. Viel zu teuer. Bekommt man dafür nicht schon “so eine richtige Kamera”, wurde ich gefragt? Die Größe des Sensor interessierte in dieser Nutzergruppe übrigens niemanden. Mhhh. Auch das bringt mich offenbar nicht weiter.

Also: Für wen baut Nikon nun diese Kamera? Eine Kamera, die in ihren äußeren Ausmaßen kaum kleiner ist als Mitbewerberprodukte, aber doch einen kleineren Sensor hat. Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht und habe auch keine echte Idee. Wollen sie vielleicht einfach nur mitmischen? Für uns Hobbyfotografen ist das neue Nikon-System wohl eher nicht gedacht, vor allem, wenn man schon eine spiegellose Systemkamera besitzt. Wir wollen doch ein wenig mehr (Sensorgröße), oder? Ein wenig mehr Freistellungspotential. Lichtstarke Objektive. Eigentlich wollen wir DSLR-Bildqualität, nur kleiner. Aber nicht eine etwas bessere Kompaktkamera-Bildqualität, aber viel größer. Ok, es ist wohl schon ein offensichtlicher Unterschied zwischen einer klassischen Kompaktkamera und dem neuen Nikon-System, aber wohl auch ein ebenso deutlicher Unterschied zwischen den Nikon-Kameras und den aktuellen Mitbewerbern im spiegellosen Systemkamera-Segment. Zumindest, wenn man den aktuell veröffentlichten Vergleichsbildern glauben darf. Alles andere wäre aber auch aufgrund der Sensorgröße eher ein Wunder.

Aber es stehen ja noch Leica und Canon auf dem Plan. Wobei ich, nach dem, was Nikon jetzt gezeigt hat, schon Angst vor der Canon-Vorstellung bekomme. Vor der Leica-Vorstellung habe ich sowieso Angst. Aber eher aus finanziellen Gründen.

Noch vor wenigen Monaten hätte ich nicht gedacht, dass ich die Sensorgröße von APS-C oder Micro FourThirds als riesig empfinde…

Meine Ratlosigkeit zum Thema Nikon-1 hat eine neue Dimension erreicht. Aber das muss ja nichts heißen. ;-)

Jens-Michael Schuh

Systemkamera-Forum

Sony NEX-7. Das ist eigentlich die Kamera, auf die ich schon lange gewartet habe: ein integrierter hochauflösender Sucher, das Gehäuse im “Rangefinder-Style” ohne Buckel für den Sucher, APS-C Sensor, wertige Verarbeitung und trotzdem nicht allzu schwer, Klapp-Display – und offensichtlich frei konfigurierbare Knöpfe und Räder. Ok, ich gebe ehrlich zu: 24 MP-Pixel hätte ich jetzt nicht gebraucht. Das ist schon sehr sportlich auf einer Fläche eines APS-C-Sensors. Eigentlich bin ich sogar mit den 12 MP einer Fuji X100 zufrieden. Bei der gefällt mir auch die High-ISO-Fähigkeit. Einfach mal bedenkenlos die Auto-ISO-Funktion bis 3200 ASA hochschieben. Es wäre schön, wenn die Sony NEX-7 bei diesen ISO-Werten auch noch einigermaßen gut zu benutzen ist. Davon aber gehe ich im Augenblick fest aus, denn Sony hat schon bei den vorherigen Kameras gezeigt, dass sie das Thema Rauschen ganz gut im Griff haben. Nicht zuletzt verbaut Sony ja auch den gleichen Sensor in der neuen A77; und bei der Kamera bekommt er sogar weniger Licht, weil ja dauerhaft der feststehende, teildurchlässige Spiegel für die AF-Sensoren davor ist.

Ja, ja. Ich kenne die Argumente von denjenigen, die Kameras haben, deren gefühlte, erträgliche Obergrenze gerade noch bei 1600 ISO liegt. “Mehr brauch´ ich nicht – mehr habe ich noch nie gebraucht – mehr hatte ich bei Film auch nicht – dann nehme ich halt eine lichtstarke Optik”. Ja, das mag ja alles stimmen. Aber ICH brauche es. Ich bin ein Freund der Available-Light-Fotografie. Ich fotografiere auch gerne in Räumen. Ohne Blitz. Ich mag keinen Blitz. Da bin ich in der Regel mit 1600 ISO aufgeschmissen. Ich mag auch keine Stative und will daher Belichtungszeiten, die ich noch mit der Hand halten kann. Und ganz ehrlich: Wenn draußen die Sonne knallt, kann ich auch eine Kompaktknipse nehmen, die macht da auch schöne Bilderchen, die ich in der Regel kaum von denen einer großsensorigen teureren Kamera, egal welcher Bauart, zu unterscheiden vermag. Ok, das Freistellen geht nicht so gut, das sehe ich ein. Aber sonst? Ich will jedenfalls einigermaßen rauschfrei bis 3200 ISO fotografieren, besser noch bis 6400 ISO, und das nicht nur unter Inkaufnahme eines inakzeptablen Auflösungsverlustes. Und eine lichtstarke Optik will ich auch. Zusätzlich.

Und dann sind wir schon beim Thema Optik. Meine Lieblingsbrennweite ist ja seit jeher 35mm. Also klassisch, im Kleinbildformat. Auch das bekomme ich von Sony: Das neue Zeiss 24mm hat bei einem APS-C Sensor ungefähr den Blickwinkel eines 35mm Objektivs bei Kleinbild. OK, es ist 1 Millimeter mehr. Geschenkt. 35mm habe ich bisher immer als ideal empfunden. Deshalb habe ich auch eine Fuji X100. High-ISO und 35mm. 35mm mit Fußzoom. Klar, man muss sich mal bewegen. Nicht auf der Stelle verharren und am Zoom kurbeln. Das tut der Bildgestaltung aber auch ganz gut. Andere Perspektiven ausprobieren. Natürlich, auch die Argumente kenne ich; kann man alles auch mit einem Zoom machen. Ja sicher. Aber wer macht es denn? Die meisten Fotos, die man im Netz sieht, erwecken nicht den Eindruck, als hätte man sich sonderlich viel Gedanken um die Bildgestaltung, Perspektive, Aufnahmestandort oder ähnliche Dinge gemacht. Ok, ich gebe zu: Die Anzahl derjenigen, die mit einer 35mm Brennweite rücklings ins Hafenbecken gestürzt sind, oder einen Freiflug am Berggrat erworben haben, könnte deutlich höher sein, als bei Besitzern einer Zoom-Optik, aber ich bin da eher pragmatisch: No risk, no fun. Und das schreibe ich jetzt als jemand, dessen Lebensmotto eher durch das Wort “risikolos” beschrieben werden könnte.

Und lichtstark ist das gute Stück auch: F1.8. Reicht. Zeiss steht da drauf. Das verspricht eine hinreichende optische Qualität. Da habe ich ja alles zusammen. Meine Traumkombination. Und im Notfall nehme ich dann doch eine der Optiken, über die ich bisher geschimpft habe. E18-55mm. Na ja, wenn ich an meinen Vergleichstest mit der äquivalenten Brennweite mit der Kit-Variante von Panasonic denke – nicht ganz so knackig. Zumindest nicht bei offener Blende. Man kann nicht alles haben. Am liebsten hätte ich die NEX-7 schon morgen. Nein, heute. Oder besser gestern. Aber man muss noch warten. Vor allem muss man auch auf das 24mm Objektiv 1.8 warten. Ok, ich muss ja auch noch Geld sparen. Das passt.

Und was machen die anderen Hersteller? Wenn ich ehrlich bin, hätte ich so eine Kamera von Panasonic erwartet. Da sieht es aber so aus, als laufe man im Augenblick dem Erfolg von Sony hinterher. Sony war ja mit einem Knall da und hatte mit einem recht übersichtlichen System gleich hohe Marktanteile in Japan erobert. Was konnten die Kameras besser, dass so viele neue Käufer sich für eine Sony statt für eine Olympus oder Panasonic entschieden? Die Kameras von Sony waren kleiner oder wirkten kleiner. Japaner stehen auf kleine Dinge. Kleiner ist in Japan oftmals auch “besser”. Also kamen kleinere Kameras von Panasonic. Die GF-Serie wurde immer kleiner. Und hatte weniger Knöpfe und weniger Bedienelemente. Dafür einen Touch-Screen. Nicht jeder empfand das als den richtigen Weg. Ich auch nicht. Hat das die Verkaufszahlen dieser Kamera verbessert? Ist Jackentaschentauglichkeit in Verbindung mit einem Pancake das ausschlaggebende Argument für den Erfolg einer Systemkamera? Gilt das auch für den Rest der Welt? Entscheiden sich die Kunden dort genauso wie in Japan?

Nun gut, Panasonic hat ja noch die G und die GH-Serie. Aber nicht jeder mag eine Kamera im (D)SLR-Style. Was bei Panasonic eigentlich fehlt, das ist so etwas wie die gute alte Panasonic L1. Damals waren aber die Sensoren noch nicht so weit, und die elektronischen Sucher boten auch nur eine bescheidene Auflösung. Diese Probleme gibt es nicht mehr. Die Zeit ist reif für eine neue L1. Wenn man den Erfolgen von Sony nicht wieder monatelang hinterherschauen möchte, dann sollten Panasonic oder vielleicht auch Olympus dann auch mal endlich eine Kamera im integriertem Sucher im “Rangefinder-Style” bauen. Der Markt wartet darauf; und es gibt noch viele Neueinsteiger, die sich noch nicht für ein bestimmtes spiegelloses System entschieden haben. Wer jetzt wartet, kann morgen schon der Verlierer sein, auch, wenn das eigene Objektivprogramm respektabel groß ist. Klein ist nicht alles.

In diesem Sinne, wohlan,

Jens Michael Schuh

Systemkamera-Forum

P.S.: Wer übrigens glaubt, eine Sony NEX-7 wäre eine kleine Kamera, der schaue sich bitte hier mal den Größenvergleich zwischen einer NEX-5N und einer NEX-7 bei dpreview.com an.